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Ende gut, alles gut

KeyInvest Blog

23. Dezember 2019 – UBS Thema im Fokus

Ende gut, alles gut

Hitzige Debatten führten in den vergangenen zwei Wochen knapp 200 Länder beim UN-Klimagipfel in Madrid. Auch wenn allseits bekannt ist, dass CO2-Emissionen eingespart werden müssen, zu neuen Klimaschutzzielen konnten sich die Staaten nicht durchringen. Die Hoffnung richtet sich nun auf die nächste Konferenz im November 2020 in Glasgow.

Grüner (Anlage-)Trend

Dass das Thema aus der öffentlichen Diskussion aber nicht mehr zu verdrängen ist, zeigen allein die «Fridays for Future»-Bewegungen rund um den Globus. In der Schweiz ist das Wort des Jahres sogar «Klimajugend». (Quelle: SRF, Medienbericht, 03.12.2019) Nach Ansicht der Experten von UBS GWM ist der Umweltschutz eines der zentralen Themen des neuen Jahrzehnts. «Grüne Parteien könnten einen höheren Anteil der Wählerstimmen erhalten und einen stärkeren Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben», heisst es in der neuen Studie «Year Ahead 2020». UBS GWM geht daher davon aus, dass im kommenden Jahrzehnt mit einer höheren Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen zu rechnen ist. Ihrer Ansicht nach sollten sich auch Anleger auf diesen Trend einstellen.

Nachhaltigkeitsthemen werden im Fachjargon auch gerne mit dem Begriff ESG zusammengefasst – dem englische Akronym für alle Angelegenheiten rund um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Am Kapitalmarkt ist ESG ebenfalls längst angekommen. UBS verfügt in diesem Trendbereich mit dem UBS ESG Low Volatility Global Equity Premium L/O Index über eine interessante Anlagelösung. Der Index bildet die Wertentwicklung von 200 Unternehmen ab, die durch einen speziellen ESG-Bewertungs- und Filterungsprozess ausgesucht werden. Zusätzlich werden jene Titel bevorzugt, deren Kurse im vergangenen Jahr eine niedrige Volatilität ausgewiesen haben. Mit dem Open End PERLES (Symbol: ESGLVU) lässt sich die Strategie einfach ins Depot aufnehmen. Die Verwaltungsgebühr beträgt 1.00 Prozent p.a., die Netto-Dividenden werden im Gegenzug reinvestiert.

Starkes Börsenjahr 2019

Gute klimatische Verhältnisse herrschten an den Börsen im Jahr 2019. Egal, ob Aktien, Währungen oder Rohstoffe – bei einer Vielzahl von Asset-Klassen kam es in den zurückliegenden zwölf Monaten zu Wertsteigerungen. Das gilt auch für den SMI. Die 20 grössten börsennotierten Schweizer Konzerne avancierten um ein Viertel. Und das, obwohl der Schweizer Franken gegenüber dem Euro weiter Boden gutmachte. Um rund drei Prozent wertete die Devise auf und macht damit den exportorientierten Unternehmen weiterhin das Leben schwer.*

Nach oben ging es ebenfalls an den Rohstoffmärkten. Beispielsweise legte ein Fass der Ölsorte Brent um mehr als 16 Prozent im Jahresverlauf zu. Auch die Edelmetalle glänzten. Gold avancierte um 15 Prozent, Silber um ein Zehntel und absoluter Spitzenreiter war Palladium mit einem «Höhenflug» von rund 60 Prozent. Am 17. Dezember knackte der Preis pro Feinunze erstmals die Marke von 2’000 Dollar. Damit ist das Edelmetall wertvoller als Gold es je war.*

Ruhiger Jahresausklang

In den noch verbleibenden Tagen im Börsenjahr 2019 stehen nur noch wenige Termine auf dem Kalender. Nach den Weihnachtsfeiertagen am Freitag sind die Augen vor allem auf Japan gerichtet. Der Verbraucherpreisindex sowie die Industrieproduktion und auch die Einzelhandelsumsätze werden aus Fernost erwartet. Die letzten Nachrichten aus Tokio waren allerdings wenig berauschend: So fiel der Stimmungs-Index der Industrie im Dezember auf 0 Punkte nach fünf Punkten im September. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang auf zwei Punkte gerechnet. Damit ist die Stimmung so schlecht wie seit nahezu sieben Jahren nicht mehr. (Quelle: Thomson Reuters, Medienbericht, 13.12.2019)

In eigener Sache

Zum Jahresende möchten wir uns noch herzlich für Ihr Vertrauen bedanken. Auch im neuen Jahr werden wir Sie an dieser Stelle wieder mit zahlreichen Analysen, News und Investmentideen versorgen. Bis dahin wünscht Ihnen das UBS-Team frohe Festtage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Performance ausgewählter Asset-Klassen 2019*

* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind. (Quelle: Thomson Reuters, Stand: 20.12.2019)

Wichtige Termine

Datum

Zeit

Land/Unternehmen

Termin

27.12.2019

00:30

Japan

Verbraucherpreisindex

27.12.2019

00:30

Japan

Arbeitslosenquote

27.12.2019

00:50

Japan

Industrieproduktion

27.12.2019

00:50

Japan

Einzelhandelsumsätze

27.12.2019

10:00

Schweiz

ZEW Konjunkturerwartungen

30.12.2019

09:00

Schweiz

KOF Leitindikator

31.12.2019

03:00

China

Einkaufsmanagerindex

20.12.2019

14:30

US

Konsumausgaben

(Quelle: Thomson Reuters, Stand: 20.12.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

Ende gut, alles gut2020-04-15T05:43:52+00:00

Deutsche Finanzexperten optimistisch

KeyInvest Blog

16. Dezember 2019 – UBS Thema im Fokus

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018. Das gab das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am vergangenen Dienstag bekannt. „Die erneute erhebliche Zunahme der ZEW-Konjunkturerwartungen ist auf den ersten Blick überraschend. Sie basiert auf der Hoffnung, dass sich die deutschen Exporte und der private Konsum besser entwickeln werden als bisher gedacht“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Entwicklung.

Trotz Exportplus Konjunkturflaute

Doch über den Berg ist die deutsche Konjunktur noch nicht. Zwar kletterte der Wert deutscher Exporte im Oktober gegenüber dem Vormonat um 1,9 Prozent hoch, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Gleichzeitig fuhren deutsche Betriebe aber ihre Gesamtproduktion um 1,7 Prozent zurück, wie ebenfalls das Statistische Bundesamt ermittelte. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Denn das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, dass sich die Auftragslage im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent reduziert hat.

Europäische Finanztransaktionssteuer

Bundesfinanzminister Olaf Scholz konkretisierte diese Woche seine Vorstellung über die schon seit Jahren geplante Finanztransaktionssteuer, die hierzulande laut seiner Vorstellung die kürzlich beschlossene Grundrente finanzieren soll. Laut der Süddeutschen Zeitung („Die Börsensteuer rückt näher“ veröffentlicht am 09.12.2019) bat der Finanzminister seine Amtskollegen von neun europäischen Länder, die ebenfalls eine Finanztransaktionssteuer einführen wollen, um deren abschließende Zustimmung. Neben Deutschland zählen dazu Belgien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, Slowenien und die Slowakei. Zur Erinnerung: Nach der Finanzkrise 2008/2009 sollte eine Finanztransaktionssteuer eingeführt werden, um einen Finanzierungstopf für mögliche Bankenrettungen aufbauen zu können. Zudem sollten auf diese Weise riskante Finanzspekulationen eingedämmt werden.

Aktienanleger im Visier

Der jetzige Gesetzesentwurf von Scholz sieht vor, dass ab 2021 bei Transaktionen mit Aktien von Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als einer Milliarde eine Steuer in Höhe von 0,2 Prozent des jeweiligen Geschäftswerts fällig wird. Das österreichische Finanzministerium kritisierte, in dem Vorschlag würden nur Aktien und keine anderen Anlageprodukte besteuert. Carsten Linnemann, der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, bemängelte, dass das Vorhaben vor allem Kleinsparer treffen würde. Der DAX konnte im Wochenverlauf dennoch 0,7 Prozent an Wert zulegen, während der MDAX 0,6 Prozent gewann. Allerdings fällt der Zugewinn im Vergleich zu anderen internationalen Leitindizes eher mager aus.

Deutsche Small Caps können mithalten

Denn im gleichen Zeitraum vollführte der Euro STOXX 50 Index einen Satz von 1,4 Prozent nach vorne, während der US-amerikanische S&P 500 Index sogar 1,6 Prozent an Boden gutmachte. Vom deutschen Indexuniversum konnte letztlich nur der SDAX mit den internationalen Vorgaben mithalten: Das Börsenbarometer mit den kapitalisierungsstärksten Börsenaktien Deutschlands nach den DAX- und MDAX-Werten gewann während der letzten fünf Handelstage 1,4 Prozent. Es mag sein, dass diese Entwicklung darauf zurückzuführen ist, dass zuletzt vor allem Vorstände und Aufsichtsräte von „Small Caps“ zugriffen, wie das Handelsblatt („Top-Manager kaufen bei kleinen Aktien groß ein“ veröffentlicht am 08.12.2019) feststellte. Da die kleineren Firmen in der Regel nicht so global aufgestellt sind wie die Unternehmen der ersten und zweiten Reihe, gelten sie als weniger exportabhängig, was in Zeiten von Handelskriegen ein Vorteil sein kann.

Handelsrückgang zwischen den USA und China

In der Tat zollt der Handelskrieg seinen Tribut: Die chinesischen Warenexporte sind im November 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,1 Prozent gefallen, teilte der chinesische Zoll vergangenen Samstag mit. Für die Volksrepublik ist das bereits der vierte Monat in Folge mit Exportrückgängen. Mit einem Minus von 12,5 Prozent brachen die Ausfuhren in die USA besonders stark ein. Gleichzeitig gingen jedoch auch die chinesischen Importe aus den USA um 23,3 Prozent zurück. Das zeigt, dass beide Länder unter dem anhaltenden Handelsstreit leiden. Der Shanghai Composite Index konnte sich in der vergangenen Woche mit einem Kursplus von 1,9 Prozent von seinen zuvor erlittenen Kursverlusten erholen.

Auf Peking abzielende US-Gesetze

Obwohl beide Seiten immer wieder betonen, in Kürze ein Teilabkommen unterzeichnen zu können, erlaubte sich die US-Regierung jüngst die eine oder andere Spitze gegen Peking. Ende November 2019 unterzeichnete Trump beispielsweise ein US-Gesetz zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong. Das Gesetz sieht unter anderem die Rücknahme bestehender Handelsprivilegien für Hongkong vor, wenn dort die Menschenrechte nicht beachtet würden. Anfang Dezember folgte das sogenannte Uiguren-Gesetz, in dem das US-Repräsentantenhaus die Schließung der Uiguren-Camps in Xinjiang verlangt und Sanktionen gegen Regierung, Behörden und Firmen fordert, die für die Internierung der Uiguren verantwortlich sind.

Trumps Empfehlung an die Weltbank

Peking bezeichnete das Verhalten Washingtons als „unzumutbar“ und verbat sich Einmischungen in innere Angelegenheiten. Das hielt US-Präsident Donald Trump, der zurzeit gegen eine von den US-Demokraten angeführte Amtsenthebung kämpft, nicht davon ab, am 07.12.2019 auf seinem Twitter-Account die Weltbank aufzufordern, China keine Kredite mehr zu gewähren: „Warum leiht die Weltbank China Geld? Kann das möglich sein? China hat viel Geld, und wenn nicht, drucken sie es. Hört auf!“, schrieb Trump. Der chinesische Yuan wertete in der vergangenen Handelswoche gegenüber dem US-Dollar zunächst ab, endete aber letztlich wieder auf demselben Niveau wie eine Woche zuvor.

DAX vs. MDAX vs. SDAX (5 Jahre, normiert)*

Euro STOXX 50 Index vs. S&P 500 Index vs. Shanghai Composite Index (5 Jahre, normiert)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 11.12.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum

Land/Unternehmen

Termin

13.12.2019

Japan

Tankan Bericht

13.12.2019

Japan

Industrieproduktion

13.12.2019

Eurozone

Tagung des Europäischen Rats

13.12.2019

Eurozone

EU-Gipfel

13.12.2019

Eurozone

EZB-Rede De Guindos

13.12.2019

USA

Einzelhandelsumsätze

13.12.2019

USA

Controlling des Einzelhandels

16.12.2019

China

Einzelhandelsumsätze

16.12.2019

China

Industrieproduktion

16.12.2019

China

NBS Pressekonferenz

16.12.2019

Deutschland

Markit Einkaufsmanagerindex Gesamt

16.12.2019

Eurozone

Markit Einkaufsmanagerindex Gesamt

16.12.2019

Eurozone

Lohnkosten

16.12.2019

Großbritannien

Markit Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe, Dienstleistungen

16.12.2019

Großbritannien

Statement zur Herbstprognose

16.12.2019

Großbritannien

Finanzstabilitätsbericht (Banken-Stresstest)

16.12.2019

USA

Markit Einkaufsmanagerindex Gesamt

17.12.2019

Australien

RBA Sitzungsprotokoll

17.12.2019

Großbritannien

ILO Arbeitslosenquote

17.12.2019

USA

Baubeginne/-genehmigungen

17.12.2019

USA

Industrieproduktion

18.12.2019

Japan

Handelsbilanz

18.12.2019

Deutschland

Erzeugerpreisindex

18.12.2019

Deutschland

ifo Index (Geschäftsaussichten, Geschäftsklima, akt. Beurteilung)

18.12.2019

Großbritannien

Erzeugerpreisindex

18.12.2019

Großbritannien

DCLG Immobilienpreisindex

18.12.2019

Großbritannien

Einzelhandelspreisindex

18.12.2019

Großbritannien

Verbraucherpreisindex

18.12.2019

Eurozone

Verbraucherpreisindex

18.12.2019

Kanada

Bank of Canada Verbraucherpreisindex

18.12.2019

Neuseeland

Bruttoinlandsprodukt

(Quelle: finanzen.net, Stand: 11.12.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

Deutsche Finanzexperten optimistisch2019-12-16T11:33:33+00:00

Euro als „Blue Bridge“

KeyInvest Blog

9. Dezember 2019 – UBS Thema im Fokus

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen. Während sie in Frankfurt offiziell ihre Unterschrift abgab, die künftig anstatt der Unterschrift von Mario Draghi neue Euro-Scheine zieren wird, sagte sie laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (27.11.2019): „Der Euro ist der Kitt, der uns als Währungsunion zusammenhält.“ Ganz in diesem Sinne schlug sie vergangene Woche vor, der europäischen Einheitswährung den Kosenamen „Blue Brigde“ zu verleihen. Dabei verwies sie auf den US-Dollar, der wegen der grünen Färbung der Dollarscheine auch als „Greenback“ bezeichnet wird. Der Euro konnte in der vergangenen Woche gegenüber dem US-Dollar leicht zulegen.

Herausforderungen bleiben

Spätestens seit Peter Maffay wissen wir: Um einmal auch der helle Schein – vielleicht auch in blau – zu sein, muss man über sieben Brücken gehen und sieben dunkle Jahre überstehen. Übertragen auf den Euro könnte man das damit deuten, dass unabhängig von einer neuen Nomenklatur die alten Herausforderungen gemeistert werden wollen. Denn trotz expansiver Geldpolitik bleibt die Inflation im Euroraum niedriger als der offiziell von der EZB angestrebte Zielwert von 2,0 Prozent: Obwohl die Verbraucherpreise im November stärker gestiegen sind als im Vormonat, kletterten sie gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am vergangenen Freitag bekanntgab. Ungeachtet dessen fielen die Kurse deutscher Staatsanleihen zu Wochenbeginn, was deren Renditen steigen ließ.

Zenit am Arbeitsmarkt überschritten?

Die Deutsche Presseagentur (dpa-AFX, 04.12.2019) verweist im Zusammenhang mit den gestiegenen Anleiherenditen auf den gestiegenen Einkaufsmanagerindex für den deutschen Dienstleistungssektor, da dieser aktuell eine wichtige Stütze für die hiesige Wirtschaft darstelle. Bloomberg hingegen will erfahren haben, dass sich die USA und China informierten Kreisen zufolge bei ihren Handelsgesprächen annäherten. In Deutschland zeigt sich der Arbeitsmarkt derweil robust. Die Bundesagentur für Arbeit teilte mit, dass sich im November in Deutschland 24.000 weniger Menschen arbeitssuchend meldeten als noch Vormonat.

Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass der Zenit am Arbeitsmarkt überschritten sein könnte, was den Binnenkonsum dämpfen könnte. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zumindest meldet für das dritte Quartal 2019 gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr „mehr Kurzarbeit, weniger Überstunden und eine schwächere Entwicklung gerade bei exportabhängigen Vollzeitjob“. Zudem wollen deutsche Unternehmen laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Jahr 2020 weniger Mitarbeiter einstellen.

Verschmähter Hoffnungsträger „Aktie“

Laut dem Handelsblatt (19.11.2019) bleiben Aktien in diesem Umfeld die einzigen Hoffnungsträger für das Jahr 2020. Allerdings offenbart eine am Montag vorgestellte Studie der Börse Frankfurt und der Frankfurt School of Finance and Management, dass 2018 nur 10,3 Millionen Deutsche und damit 16,8 Prozent der Bundesbevölkerung einen Teil ihres Geldes direkt oder indirekt in Aktien angelegt haben. Im Vergleich hierzu liegt die Quote in den USA deutlich über 50 Prozent. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, erklärt diese Diskrepanz gegenüber dem Magazin Business Insider (03.12.2019) wie folgt: „Die hohe Verlustangst in Kombination mit einer gesetzlichen Rente im Hinterkopf — auch wenn sie sehr niedrig ausfällt — sorgt dafür, dass viele Deutsche einen großen Bogen um die Aktie als Altersvorsorge-Instrument machen.“

Gründe für eine Aktienanlage

Dabei klärt die besagte Studie auf, dass Aktien vor allem langfristig im Vergleich zu etwa einem Sparbuch, eine Risikoprämie, also ein Mehr an Rendite bieten. Im Schnitt erzielte der DAX demnach eine Jahresrendite von 7,0 Prozent. Während auf dem Sparbuch mit einer Verzinsung von 2 Prozent p.a. bei einer monatlichen Sparrate von zehn Euro nach 30 Jahren 4.913 Euro angesammelt wären, würde mit Aktien eine Summe von 11.697 Euro zusammenkommen, so die Studie. Allerdings müssen Aktionäre im Gegenzug bereit sein, Kursschwankungen und damit Rücksetzer im Vermögensaufbau auszuhalten. Obwohl die Kurse in der Zukunft anders verlaufen können als in der Vergangenheit, bemüht die Studie die Historie: „Folgt man den Daten des Deutschen Aktieninstituts (2019b), so ist es seit 1969 kein einziges Mal vorgekommen, dass eine Anlage in den DAX mit einem Anlagehorizont von mindestens 13 Jahren vor Kosten einen Verlust erzielt hat.“ Auf Wochensicht muss der DAX einen Kursrückgang von gut 100 Punkten verkraften.

Echte Alternativen zur Aktie?

Die fehlende Aktienkultur nimmt die Frankfurter Rundschau („FR“, 02.12.2019) zum Anlass, „fünf überraschende Alternativen zu Aktien“ herauszupicken. Demnach schlägt sich ausgerechnet die gesetzliche Rente recht passabel. Zumindest wird Axel Kleinlein, Vorstandschef beim Bund der Versicherten, mit den folgenden Worten zitiert: „Die gesetzliche Rente ist auf jeden Fall renditestärker als viele private Produkte wie Lebensversicherungen.“ Tatsächlich kämpfen Lebensversicherungen und Pensionskassen mit niedrigen, teils negativen Marktrenditen, und laufen Gefahr, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kunden nicht nachzukommen. Ferner gehören aus FR-Sicht zu den Aktienalternativen neben der wenig überraschenden energetischen Sanierung des Eigenheims auch das Investment in Sneaker mit Sammelwert, Crowd-Investing und die Anlage in sich selbst. Demnach rentiert sich das Investment in die eigene Bildung mittel- und langfristig. In Zeiten schwacher Leseleistungen von deutschen Schülern bei der jüngst veröffentlichten Pisa-Studie wird zumindest bei diesem Punkt wohl kaum jemand widersprechen.

EUR/USD (5 Jahre)*

DAX (5 Jahre)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 04.12.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum

Land/Unternehmen

Termin

05.12.2019

Japan

Ausländische Investitionen in japanische Aktien

05.12.2019

Japan

Investitionen in ausländische Anleihen

05.12.2019

Eurozone

EcoFin-Treffen

05.12.2019

Eurozone

Bruttoinlandsprodukt

05.12.2019

Eurozone

Einzelhandelsumsätze

05.12.2019

Deutschland

Werkaufträge

05.12.2019

USA

Beginn OPEC Treffen

05.12.2019

USA

Erstanträge Arbeitslosenunterstützung

05.12.2019

USA

Werkaufträge

05.12.2019

USA

Ivey Einkaufsmanagerindex

06.12.2019

Japan

Gesamte Haushaltsausgaben

06.12.2019

Deutschland

Industrieproduktion

06.12.2019

USA

Durchschnittliche Stundenlöhne

06.12.2019

USA

Arbeitslosenquote

06.12.2019

USA

Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft

06.12.2019

USA

Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

08.12.2019

China

Handelsbilanz (Im-, Exporte)

09.12.2019

Japan

Bruttoinlandsprodukt

09.12.2019

Schweiz

Arbeitslosenquote

09.12.2019

Deutschland

Handelsbilanz

10.12.2019

China

Erzeugerpreisindex

10.12.2019

China

Verbraucherpreisindex

10.12.2019

Eurozone

ZEW Umfrage (Konjunkturerwartung)

10.12.2019

Deutschland

ZEW Umfrage (Akt. Lage, Konjunkturerwartung)

10.12.2019

Großbritannien

NS verarbeitendes Gewerbe

10.12.2019

Großbritannien

Industrieproduktion

10.12.2019

Großbritannien

Bruttoinlandsprodukt

10.12.2019

USA

Lohnstückkosten

10.12.2019

USA

Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft

11.12.2019

USA

Verbraucherpreisindex

11.12.2019

USA

Monatliche Budget-Statement

11.12.2019

USA

FED Zinsentscheidung

(Quelle: finanzen.net, Stand: 04.12.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

Euro als „Blue Bridge“2019-12-09T13:14:35+00:00

„Ein zunehmend gefährliches Sentiment“

KeyInvest Blog

29. November 2019 – UBS Thema im Fokus

„Ein zunehmend gefährliches Sentiment“

Während sich der Einzelhandel mit „Black Friday“ auf das Weihnachtsgeschäft einstimmt, hellt sich die Stimmung unter deutschen Managern etwas auf. Der ifo Geschäftsklimaindex kletterte im November 2019 auf 95,0 Punkte, nach 94,7 Punkten im Vormonat. Demnach zeigten sich Unternehmer minimal zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Auch ihre Erwartungen fielen weniger pessimistisch aus als noch im Vormonat. Die deutsche Konjunktur zeigt sich dank robustem Privatkonsum widerstandsfähig, resümiert das ifo-Institut und rechnet daher mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2019 um 0,2 Prozent. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet indes, dass sich die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe auf den Rest der Volkswirtschaft abfärben wird.

OECD rechnet 2020 mit deutscher Flaute

Denn, so das OECD-Urteil: „Deutschlands exportabhängige Wirtschaft ist besonders anfällig gegenüber außenwirtschaftlichen Risiken und einer weiteren Verlangsamung des Welthandels. Eine Verschärfung der Handelsstreitigkeiten, ein stärkerer Konjunkturabschwung in China oder anhaltende Unsicherheiten im Hinblick auf den Brexit würden die Aussichten verschlechtern und das Risiko erheblicher Ausstrahlungseffekte auf die Binnenwirtschaft und den Arbeitsmarkt erhöhen.“ Daher erhöhte die OECD ihre Wachstumsprognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr zuletzt zwar geringfügig auf 0,6 Prozent, senkte aber gleichzeitig die erwartete Wachstumsrate für 2020 auf 0,4 Prozent, bevor es im Jahr 2021 immerhin wieder um 0,9 Prozent nach oben gehen soll.

Deutschland zählt zu den Verlierern

Der Kreditversicherer Euler Hermes geht davon aus, dass der globale Handel mit Waren und Dienstleistungen in 2019 so niedrig gewachsen ist wie seit einer Dekade nicht mehr. Das Plus gegenüber dem Vorjahr soll demnach 1,5 Prozent betragen. Die größten Verlierer des verlangsamten Welthandels sind demnach China, Deutschland und Hongkong, da diese in US-Dollar berechnet die größten Exportrückgänge zu verkraften hätten. Um die eigene Konjunktur anzukurbeln, reagierte die chinesische Zentralbank jüngst mit Zinssenkungen. Zu Monatsbeginn reduzierte die Notenbank in Peking den Zinssatz für mittelfristige Darlehen an Finanzinstitutionen von 3,30 auf 3,25 Prozent. Zur Monatsmitte folgte die Senkung des Leitzinses für kurzfristige Kredite von 2,55 auf 2,50 Prozent. Das sind zugegebenermaßen kleine Schritte, wecken aber nichtsdestotrotz die Hoffnung auf weitere Zinsschritte.

US-Aktien in Rekordlaune

An den globalen Finanzmärkten war der Handelskonflikt zwischen den USA und China in den letzten Wochen und Monaten zweifellos ein dominierendes Thema – und ist es immer noch. Jedoch zeigt sich der US-Aktienmarkt äußerst zuversichtlich, dass der Handelskonflikt gelöst wird. Zumindest kletterte der S&P 500 Index zuletzt auf ein neues All-time-high. Auch der technologielastige NASDAQ 100 Index präsentiert sich in Rekordlaune und stürmt derzeit von Allzeithoch zu Allzeithoch. Dabei stellt Zeit Online (26.11.2019) fest, dass sich die meisten Anleger vom „Handelsstreit mit mehr oder minder schwammigen Erfolgsmeldungen und widersprüchlichen Aussagen“ sowohl von den USA als auch von China nicht mehr verschrecken ließen. Stattdessen verströme ein mögliches Teilabkommen, das von beiden Seiten im Handelsstreit seit einiger Zeit immer wieder in Aussicht gestellt wird, Optimismus.

„Gefährliche Mischung“ am deutschen Aktienmarkt

Die Höhenflüge an den US-Märkten stimmen auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt optimistisch. Allerdings ist der DAX noch mit einem aktuellen Stand von knapp 13.300 Punkten ein Stück weit von seinem Allzeithoch entfernt, das im Januar 2018 knapp unterhalb von 13.600 Zählern markiert wurde. Möglicherweise verleitet dies hiesige Anleger, deutschen Aktien ein gewisses Aufholpotential zuzusprechen. Das Handelsblatt (25.11.2019) verortet in jedem Fall eine „gefährliche Mischung“ am deutschen Aktienmarkt. Denn während sich Anleger in den USA eher gegen fallende Kurse absichern, wird hierzulande gemäß den Daten der Terminbörse EUREX und des EUWAX-Sentiments der Börse Stuttgart überwiegend auf steigende Kurse spekuliert. Das Urteil von Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, zum deutschen Aktienmarkt lautet daher: „Wir haben ein zunehmend gefährliches Sentiment, ein negatives Ereignis kann zu einem noch deutlicheren Rücksetzer an den Aktienmärkten führen.“

Die größten Gefahren für die Wirtschaft

Die WirtschaftsWoche („WiWo“, 25.11.2019) ging am Montag der folgenden Frage nach: „Stürzen die USA bald in eine Rezession?“ Auf der Suche nach der Antwort stellt das Magazin fest, dass die jüngsten Rezessionen durch „Finanzexzesse“ ausgelöst wurden. So war der Einbruch der Aktienkurse im Jahr 2001 eine Folge der geplatzten New-Economy-Blase, während der Aktieneinbruch in den Jahren 2007-2008 seinen Ausgang in der „Kreditvergabe an insolvente Häuslebauer“ fand. Allerdings geht kurzfristig die größte Gefahr für die Wirtschaft, so das WiWo-Urteil, nicht von Übertreibungen an den Finanzmärkten und auch nicht von steigenden Zinsen, sondern von exogenen Schocks in der Handels- und Geopolitik aus. Als Beispiel für einen geopolitischen Schock der jüngsten Vergangenheit führt die WiWo die Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen an.

S&P 500 Index vs. NASDAQ 100 Index (5 Jahre, normiert)*

DAX (5 Jahre)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 27.11.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum

Land/Unternehmen

Termin

28.11.2019

Japan

Ausländische Investitionen in japanische Aktien

28.11.2019

Japan

Investitionen in ausländische Anleihen

28.11.2019

Japan

Einzelhandelsumsätze

28.11.2019

Schweiz

Bruttoinlandsprodukt

28.11.2019

Eurozone

Geschäftsklimaindex

28.11.2019

Deutschland

Harmonisierte Verbraucherpreisindex

28.11.2019

Eurozone

EZB/Bundesbank Reden

29.11.2019

Japan

Tokio Verbraucherpreisindex

29.11.2019

Japan

Arbeitslosenquote

29.11.2019

Japan

Industrieproduktion

29.11.2019

Deutschland

Einzelhandelsumsätze

29.11.2019

Deutschland

Arbeitslosenquote

29.11.2019

Schweiz

KOF Leitindikator

29.11.2019

Eurozone

Verbraucherpreisindex

29.11.2019

Italien

Bruttoinlandsprodukt

29.11.2019

Kanada

Bruttoinlandsprodukt

30.11.2019

China

NBS Einkaufsmanagerindex Produktion

01.12.2019

USA

Arbeitsmarktindex

02.12.2019

China

Caixin Einkaufsmanagerindex Produktion

02.12.2019

Deutschland

Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe

02.12.2019

Großbritannien

Markit Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe

02.12.2019

USA

Markit Einkaufsmanagerindex Herstellung

02.12.2019

USA

ISM bezahlte Preise/verarbeitendes Gewerbe

03.12.2019

Schweiz

Verbraucherpreisindex

03.12.2019

Großbritannien

Anhörung zum Inflationsbericht

04.12.2019

Eurozone

Treffen der Eurogruppe

04.12.2019

Eurozone

Markit Einkaufsmanagerindex Gesamtindex

04.12.2019

China

Caixin China Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen

04.12.2019

Deutschland

Markit Einkaufsmanagerindex Gesamtindex

04.12.2019

Großbritannien

Markit Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen

04.12.2019

USA

Markit Einkaufsmanagerindex Gesamtindex

04.12.2019

USA

ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe

04.12.2019

Kanada

Bank of Canada Zinssatzentscheidung

(Quelle: finanzen.net, Stand: 27.11.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

„Ein zunehmend gefährliches Sentiment“2019-11-29T13:43:47+00:00

„Zu bequem gemacht auf unserer Wohlstandscouch“

KeyInvest Blog

21. November 2019 – UBS Thema im Fokus

„Zu bequem gemacht auf unserer Wohlstandscouch“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erneuerten zu Wochenbeginn ihre Forderung nach einer „ambitionierten Investitionsoffensive der öffentlichen Hand“. Hierzu führte BDI-Präsidenten Dieter Kempf aus: „Es geht nicht in erster Linie darum, Symptome einer Rezession zu bekämpfen, sondern Ursachen einer Wachstumsschwäche anzugehen.“ Bei der Vorstellung resümierte er etwas scharfzüngig: „Wir Deutschen haben es uns in den vergangenen Jahren zu bequem gemacht auf unserer Wohlstandscouch.“ Ob der Aktienmarkt sich das zu Herzen genommen hat, ist unklar. Der DAX gab auf Wochensicht jedenfalls um 0,7 Prozent nach, während der S&P 500 Index um 0,8 Prozent zulegen konnte.

Deutliches Plus beim Autoabsatz in Europa

Dabei gab es zuletzt sogar gute Nachrichten für die Autoindustrie, die in Deutschland als Schlüsselbranche gilt. So erhöhte sich der Autoabsatz in Europa im Oktober 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat mit einem Plus von 8,7 Prozent deutlich, wie der Branchenverband ACEA am Dienstag in Brüssel mitteilte. Dabei legten die Neuregistrierungen in Deutschland (+12,7 Prozent) und Frankreich (+8,7 Prozent) am stärksten zu, während Spanien (-6,3 Prozent) und Großbritannien (-2,9 Prozent) die Schlusslichter bildeten. Allerdings führt ACEA als Erklärung für den jetzigen Monatszuwachs einen statistischen Effekt an, da die Autoverkäufe in 2018 durch die Einführung neuer Abgasvorschriften (WLTP) eingebrochen waren.

„Brexit-Unsicherheit weicht langsam“

Zudem titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Dienstag: „Die Brexit-Unsicherheit weicht langsam“. Demnach könnte die am 12. Dezember 2019 anstehende Wahl ein Wendepunkt für die britische Konjunktur darstellen, unter anderem weil beide Parteien hohe Konjunkturausgaben angekündigt haben. Die Zeitung bezieht sich bei dieser Aussage auf einen Kapitalmarktausblick der US-Investmentbank Goldman Sachs, der allerdings bei einer „Regierung der Konservativen eine schnellere Klärung“ erwartet. Nach dem Wochenrückgang des FTSE 100 Index von 1,0 Prozent zu urteilen, scheint aber vor der Wahl am britischen Aktienmarkt noch Unsicherheit vorzuherrschen.

Deutsche Bundesbank erwartet stagnierende Wirtschaft

Die Deutsche Bundesbank sieht die deutsche Konjunktur mit Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige weiterhin zweigeteilt, wie dem Monatsbericht für November 2019 zu entnehmen ist. Demnach ist die rückläufige Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe ausschlaggebend dafür, dass das BIP im Berichtszeitraum kaum wuchs, während der Handel „für deutlich positive Impulse“ sorgte. Ferner erwartet die Deutsche Bundesbank eine stagnierende Wirtschaft, aber keine Rezession. Im Originalton heißt es: „Die Schwächephase der deutschen Konjunktur wird sich voraussichtlich im Jahresschlussquartal 2019 fortsetzen. Sie wird sich aber vermutlich nicht nennenswert verschärfen.“

Bedrohen riskante Investments die Finanzstabilität?

Luis de Guindos, Vize-Chef der Europäische Zentralbank (EZB), warnte am Montag auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt vor zu riskanten Investments, berichtete unter anderem das Magazin Der Spiegel (20.11.2019). Das niedrige Zinsumfeld könnte demnach Anleger verleiten, übermäßige Risiken einzugehen. Kurskorrekturen könnten nach Einschätzung des Spaniers daher die Finanzstabilität im Euroraum in Bedrängnis bringen. Auch die steigenden Immobilienpreise im Euroraum bereiten der EZB demnach Sorge, da diese im Schnitt um mehr als sieben Prozent überbewertet seien, wobei es von Land zu Land deutliche Bewertungsunterschiede gebe. Immerhin räumt de Guindos ein, dass die EZB eine gewisse Mitschuld an der Situation habe: „Wir sind uns dessen voll bewusst, dass unsere geldpolitische Ausrichtung, unsere Geldpolitik, begonnen hat, Nebeneffekte zu haben. Und die Nebeneffekte nehmen zu.“ Die EZB hält ihren Leitzins nun seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht. Im Gegenteil: Seit dem 1. November kauft die EZB monatlich wieder Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro auf.

Trump protestiert gegen „zu starken Dollar“

Solch eine lockere Geldpolitik stellt sich der US-Präsident Donald Trump auch für die USA vor. In der Vergangenheit hatte er dies schon mehrfach öffentlich von der US-Notenbank Federal Reserve eingefordert. Bei einem persönlichen Treffen mit dem FED-Präsidenten Jerome Powell hatte Trump nun am Montag die Gelegenheit, sich direkt zu beschweren. Laut einer Kurznachricht auf Twitter hat er die Gelegenheit auch genutzt: „Bei meinem Treffen mit Jay Powell heute Morgen protestierte ich gegen die Tatsache, dass unser Fed-Satz im Verhältnis zu den Zinssätzen anderer konkurrierender Länder zu hoch angesetzt ist.“ Denn: „In der Tat sollten unsere Preise niedriger sein als alle anderen (wir sind die USA). Ein zu starker Dollar schadet den Herstellern und dem Wachstum!“

FED demonstriert Unabhängigkeit von Politik

Die FED nutzte hingegen die Gelegenheit, um per Pressemitteilung ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Notenbank ihre Entscheidungen „nur auf der Basis einer sorgfältigen, objektiven und nicht-politischen Analyse“ treffe. Ferner heißt es darin betont sachlich, dass FED-Chef Powell auf die Einladung des US-Präsidenten hin mit Trump und dem US-Wirtschaftsminister Steven Mnuchin über die Wirtschaft, Wachstum, Beschäftigung und Inflation diskutiert habe. Ob der Twitter-Appel des US-Präsidenten am Devisenmarkt erhört wurde und sich der US-Dollar deswegen auf Wochensicht gegenüber dem Euro um 0,3 Prozent abschwächte, lässt sich an dieser Stelle nicht bestätigen.

DAX vs. S&P 500 Index vs. FTSE 100 Index (5 Jahre, normiert)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 20.11.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum

Land/Unternehmen

Termin

21.11.2019

Eurozone

EZB Accounts: Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des Rats

21.11.2019

USA

Erstanträge Arbeitslosenunterstützung

21.11.2019

USA

Philly-Fed-Herstellungsindex

21.11.2019

USA

Verkäufe bestehender Häuser

21.11.2019

Eurozone

Rede EZB-Präsidiumsmitglied De Guindos

22.11.2019

Japan

Nationaler Verbraucherpreisindex

22.11.2019

Deutschland

Bruttoinlandsprodukt

22.11.2019

Deutschland

Markit PMI Gesamtindex

22.11.2019

Deutschland

Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe/Dienstleistungen

22.11.2019

Frankreich

Markit PMI Gesamtindex

22.11.2019

Eurozone

Rede EZB-Präsidentin Lagarde

22.11.2019

Deutschland

Rede Deutsche-Bundesbank-Präsident Weidmann

22.11.2019

USA

Markit PMI Gesamtindex

22.11.2019

USA

Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

25.11.2019

Japan

Führender Wirtschaftsindex

25.11.2019

Deutschland

ifo – Geschäftsaussichten, Geschäftsklimaindex, akt. Beurteilung

25.11.2019

USA

Chicago FED nationaler Aktivitätsindex

26.11.2019

USA

Immobilienpreisindex

26.11.2019

USA

S&P/Case Shiller Hauspreisindex

27.11.2019

Schweiz

ZEW Umfrage – Konjunkturerwartungen

27.11.2019

USA

Erstanträge Arbeitslosenunterstützung

27.11.2019

USA

Aufträge nicht-militärische Investitionsgüter ohne Flugzeuge

27.11.2019

USA

Auftragseingang langlebige Güter

27.11.2019

USA

Persönliche Konsumausgaben

27.11.2019

USA

PCE Kernausgaben für persönlichen Konsum

27.11.2019

USA

Bruttoinlandsprodukt

27.11.2019

USA

Schwebende Hausverkäufe

27.11.2019

USA

FED Beige Book

(Quelle: finanzen.net, Stand: 20.11.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

„Zu bequem gemacht auf unserer Wohlstandscouch“2019-11-21T13:23:53+00:00

EU „in vielerlei Hinsicht schlimmer als China“?

KeyInvest Blog

15. November 2019 – UBS Thema im Fokus

EU „in vielerlei Hinsicht schlimmer als China“?

Die OPEC rechnet, dass sich Klimaschutzbemühungen westlicher Industriestaaten sowie der zunehmende Einsatz alternativer Kraftstoffe in den kommenden Jahren auf die globale Nachfrage nach Erdöl negativ auswirken werden. Ferner berichtet die Nachrichtenagentur Reuters („OPEC sees its oil market share shrinking, lowers demand view“ veröffentlicht am 05.11.2019), dass das Förderkartell für 2023 einen weltweiten Verbrauch von 103,9 Millionen Barrel pro Tag erwartet. Im Ölmarktbericht des Vorjahres war die OPEC noch von 104,5 Millionen Barrel ausgegangen. Die Organisation will ihre Produktionsmenge daher von 35 Millionen Barrel pro Tag im laufenden Jahr bis 2024 auf 32,8 Millionen Barrel pro Tag senken.

Tesla baut europäische Giga-Factory in Deutschland

Tatsächlich setzt die Autoindustrie spätestens seit dem Dieselskandal verstärkt auf Elektromobilität. Als Vorreiter auf diesem Gebiet gilt Tesla. Der US-Elektroautohersteller gab diese Woche bekannt, in Berlin in der Nähe des Flughafens die erste europäische Giga-Factory zum Bau von Batterien errichten zu wollen. Bei der Preisverleihung zum „Goldenen Lenkrad“ konnte sich Tesla-Chef Elon Musk mit Blick auf die geplante Fabrikeröffnung Ende 2021 einen Seitenhieb nicht verkneifen, den Spiegel Online am gestrigen Dienstag gleich als Titel für einen entsprechenden Bericht verwendete: „Müssen höheres Tempo vorlegen als der Flughafen“.

Deutsche Autobauer investieren in den USA

Im Gegenzug investieren deutsche Autobauer in den USA. So titelte beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung an diesem Dienstag: „Volkswagen, BMW und Daimler versprechen Trump Autofabriken“. Mit den Investitionen will die deutsche Automobilindustrie US-Präsident Donald Trump milde stimmen, um angedrohte Autozölle abzuwenden. Eigentlich wollte die US-Administration Mitte November, also jetzt, über die Erhebung von Zöllen auf importierte Autos aus der EU entscheiden. Doch einschlägige Medien erwarten, dass die Entscheidung erneut verschoben wird.

Trump mit neuem Feindbild?

Ob Trump das Entgegenkommen der deutschen Autohersteller als Zeichen der Schwäche interpretiert, ist unklar. In jedem Fall hat er auf einer Versammlung eines New Yorker Wirtschaftsclubs Deutschland unfairen Handel vorgeworfen, berichtet das Handelsblatt („Trump teilt gegen Deutschland, Europa und die Fed aus“ veröffentlicht am 12.11.2019). Dennoch legte der DAX auf Wochensicht um 0,7 Prozent zu, während der S&P 500 Index 0,4 Prozent an Boden gutmachte. Zu der anstehenden Entscheidung über Autozölle äußerte er sich demnach zwar nicht, nutzte aber die Gelegenheit, um auch gegen die EU zu schießen: „Die Barrieren, die sie haben, sind schrecklich, schrecklich. In vielerlei Hinsicht schlimmer als China.“ Europäische Autoaktien konnten sich zuletzt dennoch etwas erholen, wie am EURO STOXX Auto & Parts Index abgelesen werden kann. Das Barometer markierte kürzlich ein neues Jahreshoch und notiert aktuell bei 5122,20 Punkten.

USA setzt unbeirrt auf Erdöl

Trotz der erwarteten nachlassenden Erdölnachfrage dürfte das schwarze Gold bis auf Weiteres die globale Primärenergiequelle bleiben. Das sehen auch die USA so, die seit geraumer Zeit dank steigender Erdölproduktion die traditionellen Kräfteverhältnisse an den internationalen Energiemärkten auf den Kopf stellen. Die aktuelle US-Administration forciert diese Entwicklung mit dem Ausstieg aus dem Pariser Abkommen. Zudem kündigte das US-Landverwaltungsamt am vergangenen Dienstag an, die Hälfte eines 23 Millionen Hektar großen Gebiets in Alaska, das während der Präsidentschaft von Barack Obama zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, für die Erdölförderung freizugeben, wie die Neue Zürcher Zeitung („USA treiben Erdöl- und Erdgasförderung in Alaska voran“ veröffentlicht am 06.11.2019) berichtet. Erdöl der US-Sorte WTI kostete zuletzt 57,13 US-Dollar je Barrel, während die Nordseesorte Brent auf 62,28 US-Dollar kommt.

EURO STOXX Auto & Parts Index (5 Jahre)*

DAX vs. Euro STOXX 50 Index (5 Jahre, normiert)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 13.11.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum

Land/Unternehmen

Termin

14.11.19

Japan

Ausländische Investitionen in japanische Aktien

14.11.19

Japan

Investitionen in ausländische Anleihen

14.11.19

Japan

Bruttoinlandsprodukt

14.11.19

China

Einzelhandelsumsätze

14.11.19

China

Industrieproduktion

14.11.19

China

NBS Pressekonferenz

14.11.19

Deutschland

Bruttoinlandsprodukt

14.11.19

Großbritannien

Einzelhandelsumsätze

14.11.19

Eurozone

Bruttoinlandsprodukt

14.11.19

USA

Erstanträge Arbeitslosenunterstützung

14.11.19

USA

Erzeugerpreisindex ex. Energie & Nahrungsmittel

14.11.19

USA

Anhörung des FED-Vorsitzenden Powell

15.11.19

Japan

Industrieproduktion

15.11.19

Eurozone

Verbraucherpreisindex

15.11.19

USA

Einzelhandelsumsätze/Controlling des Einzelhandels

15.11.19

USA

Industrieproduktion

15.11.19

Deutschland

Rede Bundesbank-Präsident Jens Weidmann

18.11.19

Eurozone

EU Finanzstabilitätsbericht

19.11.19

USA

Baubeginne/Baugenehmigungen

20.11.19

Japan

Handelsbilanz Güter (Import, Export)

20.11.19

China

PBoC Zinssatzentscheidung

20.11.19

Großbritannien

Anhörung zum Inflationsbericht

20.11.19

Deutschland

Erzeugerpreisindex

20.11.19

USA

FOMC Protokoll

(Quelle: finanzen.net, Stand: 13.11.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

EU „in vielerlei Hinsicht schlimmer als China“?2019-11-18T07:43:55+00:00

Trendwende im laufenden Abschwung?

KeyInvest Blog

07. November 2019 – UBS Thema im Fokus

Trendwende im laufenden Abschwung?

Laut dem Sachverständigenrat zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung befindet sich Deutschlands Volkswirtschaft im Abschwung. Das schreiben die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Jahresgutachten 2019/20. Demnach soll das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr mit einem Plus von real 0,5 Prozent „merklich weniger stark wachsen als in den Vorjahren“. Zudem wird erwartet, „dass sich die schwache wirtschaftliche Dynamik mindestens bis in das kommende Jahr hinzieht und das Wachstum mit 0,9 Prozent im Jahr 2020 schwach bleiben wird“. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser zeigte sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.: „Industrie erhält im September überraschend viele neue Aufträge“ veröffentlicht am 06.11.2019) jüngst allerdings recht zuversichtlich: „Der freie Fall der Industrie ist gestoppt.“

Frage nach Rezession „belanglos“

Optimistisch titelte auch Spiegel Online am vergangenen Freitag: „Deutschland schrammt wohl doch an Rezession vorbei“. Dabei bezog sich das Magazin auf die jüngste Konjunkturprognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Diese geht davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal stagniert und somit auf der Stelle tritt. Sollte es so kommen, würde Deutschland technisch gesehen in keine Rezession rutschen, da es für eine Rezession per Definition zwei Quartale hintereinander zu einem negativen Wirtschaftswachstum kommen muss. Dennoch stellt Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW Kiel, klar, dass die Frage nach einer technischen Rezession an sich belanglos sei.

Trotzdem: „gesamtwirtschaftliche Auslastung … gesunken“

Die IfW-Forscher stützen ihre nach oben berichtigte Prognose eigenen Angaben zufolge auf die vorläufige Schnellschätzung von Eurostat, die im Berichtszeitraum für die Wirtschaftsleistung im Euroraum ein Plus von 0,2 Prozent in Aussicht stellt. Die Eurostat-Schätzung basiert auf Angaben von 17 Mitgliedstaaten, die 93 Prozent der Wirtschaftsleistung des Währungsraums abdecken. Darin sind auch vorläufige, bislang unveröffentlichte Daten zum deutschen BIP eingeflossen, erklären die IfW-Experten. Kooths ordnet die neuen Zahlen wie folgt ein: „Die Konjunktur in Deutschland zeigte sich im Sommer geringfügig fester als bislang erwartet worden war. Insgesamt setzte sich der Abschwung aber fort, denn die gesamtwirtschaftliche Auslastung ist weiter gesunken.“

Auftragseingang überraschend stark

Hoffnung, dass alles nicht so schlimm wird wie lange befürchtet, verströmt auch ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Verfassung: Nach vorläufigen Berechnungen von destatis sollen sich die Auftragsbücher des verarbeitenden Gewerbes im September 2019 gegenüber dem Vormonat mit plus 1,3 Prozent überraschend stark gefüllt haben. Gemäß des anfangs erwähnten F.A.Z.-Artikels haben Fachleute im Vorfeld „lediglich mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent gerechnet“. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen erhöhte sich der reale Auftragseingang saison- und kalenderbereinigt sogar um 1,5 Prozent. Rückwirkend wurden auch die Zahlen für den Vormonat nach oben angepasst: Demnach sollten die Ordereingänge im August 2019 nicht um 0,6 Prozent, sondern nur um 0,4 Prozent zurückgegangen sein.

USA und China nähern sich scheinbar an

Ende vergangener Woche kam Optimismus auf, dass die USA und China den Handelsstreit bald beilegen könnten, wie unter anderem das manager magazin („China und USA nähern sich im Handelsstreit offenbar an“ veröffentlicht am 05.11.2019) berichtet. Demnach soll das erste Teilabkommen im Handelskonflikt der beiden Länder einen Passus enthalten, der vorsieht, dass ein Teil der in den vergangenen Monaten eingeführten Zölle zurückgenommen wird. Die Marktteilnehmer am Aktienmarkt zeigten sich erleichtert, was sich unter anderem am Wochenplus des deutschen Leitindex DAX in Höhe von 1,9 Prozent abgelesen werden kann. Auch der US-amerikanische S&P 500 Index kam im gleichen Zeitraum voran, allerdings nur um 1,3 Prozent. Beim MDAX ging es gleichzeitig um 2,6 Prozent nach oben, und beim TecDAX sogar um 3,2 Prozent.

Ziel der „schwarzen Null“ aufgeben

Doch die Angst vor einer weiteren Konjunkturabkühlung ist weiterhin vorhanden, was angesichts der weiter bestehenden geopolitischen Risiken durchaus nachvollziehbar scheint. Bereits am vergangenen Mittwoch rief der stellvertretende Leiter des IfW-Prognosezentrums, Jens Boysen-Hogrefe, der auch Mitglied im Arbeitskreis Steuerschätzungen ist, in einem IfW-Kommentar die Bundesregierung auf, das Ziel der „schwarzen Null“ aufzugeben, um „zukünftigen konjunkturellen Risiken besser begegnen zu können“. Zwar zeichnet sich nach seiner Einschätzung in den folgenden Jahren „ein leicht schwächerer Anstieg der Steuereinnahmen“ ab. Doch sollte sich die Finanzpolitik, so Boysen-Hogrefe, nichtsdestotrotz an den Vorgaben einer Schuldenbremse ausrichten, die konjunkturelle Ausschläge zumindest teilweise berücksichtigt.

„Bei Wasserstoff die Nummer 1“

Dabei scheint die Bundesregierung durchaus darum bemüht, wirtschaftlich und klimapolitisch Impulse zu setzen. So forderte Bundesminister Peter Altmaier mit Blick auf die Energiewende und Wachstumspotentiale am Rande einer von mehreren Ministerien einberufenen Wasserstoffkonferenz mit rund 700 Teilnehmern, dass jetzt die Weichen gestellt werden müssten, „dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird.“ Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, bläst ins gleiche Horn und nimmt die Industrie in die Pflicht: „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Studien und Pilotprojekte zu Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie im Verkehr gefördert. Jetzt muss die Automobilindustrie bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt bringen und den Menschen zeigen, dass die Technik zuverlässig funktioniert.“

Erhöhung der Kaufprämie für Elektroautos

Auch die kürzlich erhöhte Kaufprämie für Elektroautos von bislang 4.000 Euro auf bis zu 6.000 Euro zeugt davon, dass Berlin den technologischen Wandel ernst nimmt und als Chance für die Industrie versteht. Bundesverkehrsminister Scheuer will gemäß der Tagesschau („Höhere Kaufprämie für E-Autos kommt“ veröffentlicht am 05.11.2019) das verfehlte Ziel, eigentlich schon bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, nun zwei Jahre später schaffen. Bis 2030 sollen es dann sogar sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge sein. Dass es sich dabei nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, beweist die Ankündigung, dass der Bund den Ausbau der nötigen Elektro-Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren mit 3,5 Milliarden Euro fördern will. Der EURO STOXX Auto & Parts Index machte auf Wochensicht 2,9 Prozent an Boden gut.

DAX (5 Jahre)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 06.11.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum

Land/Unternehmen

Ereignis

07.11.2019

Eurozone

Treffen der Eurogruppe

07.11.2019

Eurozone

Wirtschaftsbulletin

07.11.2019

Eurozone

Prognose der Europäischen Kommission zum Wirtschaftswachstum

07.11.2019

Japan

Fahrzeugverkäufe

07.11.2019

Deutschland

Industrieproduktion

07.11.2019

Großbritannien

Bank of England Zinssatzentscheidung mit Sitzungsprotokoll

07.11.2019

USA

Anträge auf Arbeitslosenunterstützung

08.11.2019

Japan

Gesamte Haushaltsausgaben

08.11.2019

Japan

Ausländische Investitionen in japanische Aktien

08.11.2019

Japan

Investitionen in ausländische Anleihen

08.11.2019

Japan

Führender Wirtschaftsindex

08.11.2019

China

Handelsbilanz (Importe, Exporte)

08.11.2019

Deutschland

Handelsbilanz

08.11.2019

Eurozone

EcoFin-Treffen

08.11.2019

USA

Reuters/Uni Michigan Verbrauchervertrauen

09.11.2019

China

Erzeugerpreisindex/Verbraucherpreisindex

11.11.2019

Japan

Maschinenbestellungen

11.11.2019

China

FDI – Direktinvestitionen im Ausland (YTD) (Jahr)

11.11.2019

Großbritannien

NS verarbeitendes Gewerbe

11.11.2019

Großbritannien

Industrieproduktion

11.11.2019

Großbritannien

Bruttoinlandsprodukt

12.11.2019

Großbritannien

Durchschnittseinkommen

12.11.2019

Großbritannien

ILO Arbeitslosenquote

12.11.2019

Eurozone

ZEW Umfrage Konjunkturerwartungen

12.11.2019

Deutschland

ZEW Umfrage Konjunkturerwartungen/Aktuelle Lage

13.11.2019

Deutschland

Harmonisierter Verbraucherpreisindex

13.11.2019

Großbritannien

Erzeugerpreisindex/Verbraucherpreisindex

13.11.2019

Großbritannien

Einzelhandelspreisindex

13.11.2019

Eurozone

Industrieproduktion

13.11.2019

USA

Verbraucherpreisindex

13.11.2019

USA

Anhörung des FED-Vorsitzenden Powell

13.11.2019

USA

Monatliches Budget-Statement

(Quelle: finanzen.net, Stand: 06.11.2019)

Weitere Blogeinträge:

Deutsche Finanzexperten optimistisch

In Deutschland rechnen Finanzexperten mit einem Konjunkturaufschwung. Zumindest kletterte der ZEW-Indikator für Konjunkturerwartungen im Dezember auf 12,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar 2018.

Euro als „Blue Bridge“

Christine Lagarde, seit November 2019 Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will mit dem Euro Brücken bauen.

Trendwende im laufenden Abschwung?2019-11-11T13:40:03+00:00

Ende und Folgen des Handelsstreits?

KeyInvest Blog

31. Oktober 2019 – UBS Thema im Fokus

Ende und Folgen des Handelsstreits?

Chinas Wirtschaft kühlt sich ab. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Handelsstreits mit den USA können die neuesten von der chinesischen Zollbehörde veröffentlichten Außenhandelszahlen kaum verwundern. Demnach brachen die Exporte in die USA im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 21,9 Prozent ein, während die US-Importe in die Volksrepublik um 15,2 Prozent zurückgingen. Doch auch die Gesamtimporte Chinas reduzierten sich im gleichen Zeitraum um 8,5 Prozent und damit stärker als die Exporte, die nur 3,2 Prozent nachgaben. Für das manager magazin („Chinas Exporte in die USA brechen im September ein“ veröffentlicht am 14.10.2019) „sind die schwachen Einfuhren Chinas ein Spiegelbild der sich abschwächenden Binnennachfrage und einer langsamer wachsenden chinesischen Wirtschaft“.

Milliarden für Chinas Halbleiterindustrie

Die Zentralregierung in Peking will mit einer Neuauflage des „National Big Fund“ gegenlenken und umgerechnet rund 29 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der heimischen Halbleiterindustrie pumpen, wie unter anderem das Magazin t3n („Investitionsprogramm für die eigene Halbleiter-Industrie auf“ veröffentlicht am 30.10.2019) berichtete. Zudem deutet sich ein Ende des Handels- und Zollstreits mit den USA an. Das chinesische Handelsministerium erklärte gemäß Handelsblatt („China und USA melden Fortschritte bei Lösung von Handelsstreit“ veröffentlicht am 26.10.2019) zumindest, dass die technischen Beratungen in einigen Bereichen für ein Teil-Handelsabkommen abgeschlossen seien. Die Neuigkeiten verliehen chinesischen Aktien bislang jedoch keine nennenswerten Impulse nach oben. Im Gegenteil: Der Hang Seng Index muss im Wochenvergleich ein kleines Minus von 0,2 Prozent verkraften.

Unterschrift bereits Mitte November …

An US-Präsident Donald, der derzeit gegen ein von den Demokraten angestrebtes Amtsenthebungsverfahren ankämpft, lag die schwache Kursentwicklung wohl nicht. Dieser zeigte sich zuversichtlich, bereits Mitte November 2019, wenn sich die beiden Staatsmänner in Chile beim Wirtschaftsgipfel des Asien-Pazifik-Raums (APEC) treffen wollten, eine entsprechende Teilvereinbarung mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping unterzeichnen zu können. Dieser als „Phase eins“ bezeichnete Teil eines umfassenderen Handelsabkommens soll laut früheren US-Angaben unter anderem die Themen geistiges Eigentum, Währungsfragen und Finanzdienstleistungen abdecken. Seit gestern steht fest, dass es in Chile keine Unterschriften geben wird. Denn Chiles Staatschef Sebastián Piñera sagte am Mittwoch wegen der anhaltenden Unruhen im eigenen Land sowohl den APEC-Gipfel am 16. und 17. November 2019 als auch die für Dezember 2019 geplante Uno-Klimakonferenz ab.

… oder vielleicht doch später?

Bereits einen Tag zuvor hatte ohnehin schon ein US-Regierungsvertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters („US-Vertreter – Handelsvertrag mit China verzögert sich womöglich“ veröffentlicht am 29.10.2019) eingeräumt, dass das Teilabkommen zum APEC-Gipfel möglicherweise noch nicht unterschriftsreif sei, beschwichtigte aber: „Sollte das Abkommen nicht in Chile unter Dach und Fach gebracht werden können, heißt das nicht, dass es nicht zustande kommt. Es bedeutet nur, dass es noch nicht fertig ist.“ In jedem Fall nahmen die Aktienmärkte den Ausblick auf ein Teilabkommen positiv auf. Der S&P 500 Index legte im Wochenvergleich um 1,3 Prozent auf zuletzt rund 3.037 Punkte zu.

US-Haushaltsdefizit auf Siebenjahreshoch

Die US-Regierung schloss derweil das Fiskaljahr 2018/19 trotz steigender Steuereinnahmen mit dem höchsten Haushaltsdefizit seit sieben Jahren ab, wie das Handelsblatt („Fast eine Billion Minus: USA mit höchstem Haushaltsdefizit seit sieben Jahren“ veröffentlicht am 25.10.2019) meldet. Die Defizitquote im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt kletterte von 3,8 Prozent im Vorjahr auf 4,6 Prozent. Für das Defizit von 984 Milliarden US-Dollar machen Experten laut dem besagten Handelsblatt-Bericht unter anderem Trumps Reform der Unternehmenssteuer und höhere Militärausgaben verantwortlich. Insgesamt stiegen die Staatsausgaben auf Jahressicht um 8,2 Prozent. Die USA mussten im Berichtszeitraum demnach rund 51 Milliarden Dollar allein an Zinszahlungen leisten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von zehn Prozent.

Schuldzuweisung des US-Finanzministers

Zur Erinnerung: Noch bei seinem Amtsantritt wollte der US-Präsident das Staatsdefizit innerhalb von acht Jahren beseitigt haben, wie Focus Money Online („Neue Zahlen zeigen die desaströsen Folgen von Trumps Steuerreform“ veröffentlicht am 28.10.2019) recherchierte. US-Finanzminister Steven Mnuchin sieht die jüngste Haushaltsbilanz trotzdem als Beleg für die Wirksamkeit von Trumps Wirtschaftsagenda. Gleichzeitig rief er den US-Kongress auf, „verschwenderische und unverantwortliche Ausgaben“ einzudämmen. Der US-Präsident erneuerte derweil seine Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve (FED). Am Dienstag verwies Trump per Twitter auf die in Europa und Japan vorherrschenden Negativzinsen – und beschuldigte die FED im Vorfeld der Zinsentscheidung keine Ahnung zu haben.

Erwartete Zinssenkung durch die FED

Darüber, ob er diese Aussage vor dem Hintergrund des wachsenden Staatsschuldendiensts traf, kann nur gemutmaßt werden. Die FED zeigte sich von der neuerlichen Kritik aus dem Weißen Haus jedenfalls nicht sonderlich beeindruckt und setzte am Mittwochabend den Weg der kleinen Zinsschritte fort: Einmal mehr senkte die Notenbank den Leitzins wie vorab erwartet um 25 Basispunkte auf die Spanne von 1,50 und 1,75 Prozent p.a. Nach Einschätzung des Magazins Der Spiegel („Der mächtige Ohnmächtige“ veröffentlicht am 31.10.2019) signalisierte die FED im Kommuniqué zum Zinsbeschluss angesichts des anhaltenden Wachstums der US-Wirtschaft, eine Zinssenkungspause einlegen zu wollen. Wenn dem so wäre, könnte das durchaus weitere präsidiale Twitter-Tiraden nach sich ziehen.

S&P 500 Index vs. Hang Seng Index (5 Jahre, normiert)*

S&P 500 Index vs. Hang Seng Index (12 Monate, normiert)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 30.10.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum Land/Unternehmen Ereignis
01.11.2019 Japan Arbeitslosenquote
01.11.2019 China Caixin PMI Produktion
01.11.2019 Großbritannien Markit PMI verarbeitendes Gewerbe
01.11.2019 USA Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft
01.11.2019 USA Durchschnittliche Stundenlöhne
01.11.2019 USA Arbeitslosenquote
01.11.2019 USA ISM verarbeitendes Gewerbe/bezahlte Preise
04.11.2019 Deutschland Einkaufsmanagerindex verarbeitende Gewerbe
04.11.2019 Eurozone Einkaufsmanagerindex verarbeitende Gewerbe
04.11.2019 Großbritannien CIPS PMI Konstruktion
04.11.2019 USA Werkaufträge
05.11.2019 Großbritannien Markit PMI Dienstleistungen
05.11.2019 USA Handelsbilanz
05.11.2019 USA ISM nicht-verarbeitendes Gewerbe
05.11.2019 USA Markit PMI Dienstleistungen/Gesamtindex
06.11.2019 Japan BoJ Geldpolitik Sitzungsprotokoll
06.11.2019 Deutschland Markit PMI Gesamtindex
06.11.2019 Eurozone Markit PMI Gesamtindex
06.11.2019 Eurozone Einzelhandelsumsätze
06.11.2019 USA Lohnstückkosten
06.11.2019 USA Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft

(Quelle: finanzen.net, Stand: 30.10.2019)

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„Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln“

KeyInvest Blog

25. Oktober 2019 – UBS Thema im Fokus

„Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln“

Ist die deutsche Wirtschaft zu einseitig auf den Export ausgerichtet? Dieser Ansicht ist zumindest Ludovic Subran. Der Chefvolkswirt der Allianz ruft in einem Gastbeitrag bei Focus Online Money („Das deutsche Geschäftsmodell ist in Gefahr“ veröffentlicht am 19.10.2019) für die kommenden Jahre die Devise aus, dass sich Deutschland „vom Export-Weltmeister zum Europa-Champion“ wandeln sollte. Allerdings befürchtet Subran, dass Deutschland in Europa wirtschaftlich vom Wachstumsmotor zum Bremser geworden ist.

Binnennachfrage gleicht Exportschwäche aus

Erst in der vergangenen Woche hat die Bundesregierung ihre Herbstprognose vorgestellt. Diese sieht zwar keine Konjunkturkrise, korrigierte aber das erwartete Wirtschaftswachstum deutlich nach unten. Das Bruttoinlandprodukt soll demnach in 2020 gegenüber dem Vorjahr anstatt um 1,5 Prozent nunmehr um 1,0 Prozent zulegen. Für das laufende Jahr bleibt die Prognose unverändert bei einem mageren Plus von 0,5 Prozent. Demnach leidet die deutsche Industrie wegen der internationalen Handelskonflikte unter Exportschwäche, während sich die Binnennachfrage weiterhin intakt präsentiere. Deutsche Aktien der ersten und zweiten Reihe zeigten sich zuletzt in guter Laune: Sowohl der DAX als auch der MDAX konnten auf Wochensicht um 1,6 Prozent zulegen.

Mehr Rückenwind von der Bundesregierung?

Um die Binnenkonjunktur zu stützen, forderte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei der Vorstellung der Prognose für die Unternehmen „mehr Rückenwind von der Bundesregierung“. Dabei schwebt ihm „eine Wachstumspolitik mit Steuerentlastungen und Bürokratieabbau, Investitionen in Zukunftstechnologien und mehr Anstrengungen im Bereich der Digitalisierung“ vor. Der Appell richtet sich nach Ansicht der Süddeutschen Zeitung („Altmaier stellt Herbstprognose der Bundesregierung vor“ veröffentlicht am 17.10.2019) an die SPD. Der Koalitionspartner hat sich demzufolge bislang gegen eine umfassende Reform der Unternehmenssteuern und gegen eine Soli-Abschaffung gestellt. Deutsche Technologieaktien dürften von einer Technologie- und Digitalisierungsinitiative, wie von Altmaier vorgeschlagen, profitieren. Dennoch muss der TecDAX ein Wochenminus von 0,2 Prozent hinnehmen.

Steuereinnahmen eröffnen fiskalischen Spielraum

Subran beziffert den fiskalischen Spielraum im Jahr 2020 im besagten Gastbeitrag auf rund zwölf Milliarden Euro. Tatsächlich sprudeln die deutschen Steuereinnahmen dank eines robusten Arbeitsmarkts. Der Bund nahm im vergangenen September 32,78 Milliarden Euro an Steuern ein. Wie das Bundesfinanzministerium an diesem Montag ferner bekanntgab, entspricht das einem Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresmonat von 4,8 Prozent. Das Plus in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum belief sich auf 0,3 Prozent. Allerdings spricht sich mancher Politiker gegen steigende Staatsinvestitionen aus, da selbst die bereits zur Verfügung gestellten Mittel nicht abgerufen würden. Um das zu ändern, müssten laut Subran Hindernisse abgebaut werden. Dieser schlägt daher die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen vor, „in denen verkürzte Planungs- und Genehmigungsverfahren gelten“ sollen.

Brexit geht wohl in die Verlängerung

Der EU-Austritt Großbritanniens läuft derweil auf eine Verlängerung hinaus. Das britische Parlament stimmte zwar dem von Boris Johnson mit der EU ausgehandelten Austrittsabkommen zu, sprach sich aber gegen den straffen Zeitplan für einen Austritt bis zum bislang vorgesehenen Termin am 31. Oktober 2019 aus. Der Premierminister beantragte daraufhin bei der EU widerwillig eine Fristverlängerung, wie es ihm das Parlament per Gesetz vorgeschrieben hat, und legte den gesetzgebenden Prozess für den Austritt bis zu einer EU-Entscheidung auf Eis. Es ist wahrscheinlich, dass die EU einer Fristverlängerung zustimmt. Zumindest twitterte EU-Ratspräsident Donald Tusk, dass er den 27 EU-Mitgliedern empfiehlt, der von London beantragten Fristverlängerung zuzustimmen, um einen No-Deal-Brexit zu verhindern.

Schaden des EU-Austritts

Das dürfte auch im Sinne der deutschen Exportwirtschaft sein. „Ein chaotischer Austritt ohne Abkommen ist und bleibt die schlechteste aller Möglichkeiten“ und hätte „katastrophale Folgen für den deutschen Außenhandel“, so die Einschätzung von Holger Bingmann. Außerdem meinte der 58-jährige Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) gegenüber der Rheinischen Post („Brexit wird deutschen Export in 2019 3,5 Milliarden Euro kosten“ veröffentlicht am 07.10.2019), dass die Unsicherheiten rund um den britischen EU-Austritt bereits immensen Schaden angerichtet hätten: „Allein im ersten Halbjahr hat sich das deutsche Exportgeschäft mit Großbritannien in Höhe von über 3,5 Milliarden Euro – hochgerechnet auf das Gesamtjahr – in Luft aufgelöst.“ Laut Bingen hat das Spuren hinterlassen: „Großbritannien ist somit inzwischen in der Rangfolge unserer Handelspartner von Platz fünf im Jahr 2016 auf aktuell Platz 13 abgerutscht und liegt hinter Polen.“ Das dürfte auch die englische Wirtschaft spüren. In jedem Fall kam der FTSE 100 Index in der vergangenen Woche um 0,6 Prozent voran.

Aufpoliertes Image der EU

Nach Einschätzung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung („Wie die EU von der Brexit-Saga profitiert“ veröffentlicht am 22.10.2019) hat das Gezerre um den EU-Austritt Großbritanniens aber auch positive Effekte. Das Gemeinschaftsgefühl der Bürger in der EU jedenfalls scheint eine Renaissance zu erleben. Waren im Mai 2016, also kurz vor der britischen Brexit-Abstimmung im Juni 2016, noch 47 Prozent der befragten EU-Bürger nicht mit der EU-Demokratie einverstanden, sind es heute nur noch gut ein Drittel. Mehr als die Hälfte der Europäer sieht die EU-Demokratie derzeit positiv. Zudem hat sich das Image der EU in der EU-Bevölkerung – außer in Frankreich – verbessert. Der Euro STOXX machte auf Wochensicht ein Prozent an Boden gut.

DAX vs. MDAX (5 Jahre, normiert)*

DAX vs. MDAX (3 Monate, normiert)*

* Frühere Wertentwicklungen sind keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. (Quelle: Bloomberg, Stand: 23.10.2019)

Ausgewählte Termine der anstehenden Woche

Datum Land/Unternehmen Ereignis
22.10.2019 CH Ausländische Investitionen in japanische Aktie
22.10.2019 US Investitionen in ausländische Anleihen
25.10.2019 CH GfK Verbrauchervertrauen
25.10.2019 CH ifo Geschäftsklimaindex/Geschäftsaussichten/aktuelle Beurteilung
25.10.2019 CH Reuters/Uni Michigen Verbrauchervertrauen
25.10.2019 CH Umsätze großer Einzelhändler
25.10.2019 CH Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex
25.10.2019 CH Tokio Verbraucherpreisindex
25.10.2019 CH Harmonierter Verbraucherpreisindex
25.10.2019 CH Bruttoinlandsprodukt annualisiert
25.10.2019 CH Fed Zinssatzentscheidung mit Pressekonferenz
25.10.2019 CH S&P Case-Shilller Hauspreisindex
25.10.2019 CH Verbrauchervertrauen Conference Board
25.10.2019 CH Schwebende Hausverkäufe
25.10.2019 CH Einzelhandelsumsätze
25.10.2019 CH Arbeitslosenquote
25.10.2019 CH ADP Beschäftigungsänderung
25.10.2019 CH Persönliche Konsumausgaben
25.10.2019 CH Vorgesehener EU-Austritt Großbritanniens
25.10.2019 CH Bank of Japan Zinssatzentscheidung mit Pressekonferenz
25.10.2019 CH Bank of Japan Prognosebericht
25.10.2019 CH Industrieproduktion
25.10.2019 CH NBS PMI Einkaufsmanagerindex
25.10.2019 CH Bruttoinlandsprodukt
25.10.2019 CH Verbraucherpreisindex
25.10.2019 CH Arbeitslosenquote
25.10.2019 CH Einzelhandelsumsätze
25.10.2019 CH GfK Verbrauchervertrauen
25.10.2019 CH Anträge Arbeitslosenunterstützung
25.10.2019 CH PCE Persönliche Konsumausgaben
25.10.2019 CH Chicago Einkaufsmanagerindex

(Quelle: finanzen.net, Stand: 23.10.2019)

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In nachhaltige Unternehmen mit tiefer Volatilität investieren

KeyInvest Blog

17. Oktober 2019 – UBS Thema im Fokus

In nachhaltige Unternehmen mit tiefer Volatilität investieren

Diskussionen rund um Nachhaltigkeitsthemen wie den Klimawandel rücken aktuell in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Begriff ESG – das englische Akronym steht für alle Angelegenheiten rund um Umwelt („Environmental“), Soziales („Social“) und gute Unternehmensführung („Governance“). ESG-Kriterien gewinnen auch am Finanzmarkt immer weiter an Bedeutung. Laut einer aktuellen Umfrage von Allianz Global Investors aus Januar 2019 ist eine nachhaltige Geldanlage für 73% der befragten Personen von großer oder sehr großer Bedeutung. Qualitativen Faktoren objektiv messbar zu machen, um die nachhaltigsten Unternehmen aus der Masse herauszufiltern, ist jedoch eine große Herausforderung und für den Privatanleger im Normalfall nicht leistbar. Doch es gibt Unternehmen, die sich dies zur Aufgabe gemacht und entsprechende Bewertungsmodelle entwickelt haben, um eine Aussage über die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu treffen.

Sustainalytics ist einer der führenden unabhängigen Anbieter von Bewertungsmodellen in Bezug auf die ESG-Performance von Unternehmen. Sustainalytics hat anhand von ESG-Kriterien ein Bewertungssystem entwickelt, das eine Quantifizierung in dieser Hinsicht ermöglicht. Die von Sustainalytics auf Basis öffentlich zugänglicher Unternehmensdaten zur Verfügung gestellten Bewertungen und Filter dienen als Grundlage für die Ermittlung der Indexbestandteile des UBS ESG Low Volatility Global Equity Premium L/O Index. Der Index bildet die Wertentwicklung von 200 internationalen Unternehmen ab, die durch den ESG-Bewertungs- und Filterungsprozess ausgewählt werden. Zusätzlich werden die Unternehmen bevorzugt, deren Aktienkurse im vergangenen Jahr eine niedrige Volatilität ausgewiesen haben.

Wenn Sie investieren wollen, finden Sie weitere Anregungen zur nachhaltigen Geldanlage und wie Anleger an der Entwicklung des Index partizipieren können, unter www.ubs.com/keyinvest. Hier können Sie auch die rechtlich ausschließlich maßgeblichen Wertpapierprospekte mit den wesentlichen Risiken einsehen.

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